Diskussion

Die Auswertung der Zähldichten auf Naturraum- bzw. Landkreisebene hat gezeigt, daß zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Naturräume auch deutliche Unterschiede in ihrer Eignung für Hasen vorhanden sind. Als Ursache für das Ausbleiben des Zuwachses in manchen Naturräumen lassen sich für das Jahr 2000 die ungünstigen Mähtermine, welche die Junghasen in den Mähwerken verenden ließen sowie die naßkalte Witterung im März und Juni, denen die Junghasen ebenfalls reihenweise zum Opfer gefallen sind. Hohe Niederschläge bei kühlen Temperaturen („naßkalt“) sind direkt korreliert mit den Überlebensraten der Junghasen. Diese sind dann vor allem anfälliger für Infektionskrankheiten, weisen geringere Kälteresistenz auf und größere Wärmeverluste mit der Folge höherer Sterblichkeit (Hackländer et al. 2001).

In Revieren, welche in klimatisch ungünstigen Naturräumen liegen, in denen kaum landschaftsgliedernde Strukturen vorhanden sind und in denen die Bejagung der Beutegreifer kaum eine Rolle spielt, fallen diesen Faktoren offensichtlich nicht nur der komplette Zuwachs zum Opfer sondern auch Althasen. Sind die klimatischen Bedingungen nicht optimal und Lebensräume ausgeräumt, haben die ohnehin geringen Hasenpopulationen keine Chance, dem Räuberloch zu entkommen. In ausgeräumten Landschaften, in denen keine Deckung vorhanden ist, sind die ersten Sätze der Hasen im Frühjahr den Beutegreifern und der Witterung schutzlos ausgeliefert (Janovsky 2001, Spittler 1995, 2001).

Der Vergleich der „günstigen“ Naturräume mit den „ungünstigen“ zeigt, daß in den ersteren die geringe Qualität der Lebensräume offensichtlich von den klimatisch günstigen Faktoren kompensiert wird. Deshalb kann die Notwendigkeit von biotopverbessernden Maßnahmen in klimatisch weniger günstigen Gebieten nicht deutlich genug betont werden. Mit der Schaffung von Strukturen in der Landschaft muß aber gleichzeitig eine konsequente Bejagung der Freßfeinde des Feldhasen einhergehen, um einen weiteren negativen Faktor zu kompensieren.

Aus der Literatur sind mehrjährige zyklische Schwankungen von Hasenpopulationen bekannt („Massenwechsel“, z. B. Pfister 1995). Für diese periodischen Schwankungen der Hasenbestände sind Phasen von 7 und etwa 20 Jahren nachgewiesen worden. Die Wechsel zwischen hohen und niederen Beständen sind auch von Klima und Witterung geprägt (Pfister 1995). Daneben sind zusätzliche Faktoren beteiligt. Der Landnutzungswandel und die Intensivierung der Landwirtschaft haben zu einem drastischen Verlust an naturnahen Landschaftsstrukturen geführt, ferner werden die Lebensräume durch Straßen und Siedlungen immer mehr zerschnitten.

Im Augenblick scheinen die Bestände in Bayern zuzunehmen. In den klimatisch günstigen Gebieten scheinen die negativen Veränderungen im Lebensraum wenig Einfluß auf die Population des Feldhasen zu haben, denn in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen (Niederbayern, Mittelfranken) sind die höchsten Dichten gezählt worden. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung in den folgenden Jahren verlaufen wird.

Der Vergleich zwischen den Frühjahrsdichten und den Herbstdichten mit Zu- und Abnahmen der Besatzdichten zeigt ebenfalls die Notwendigkeit langfristiger Untersuchungen: Wie konstant ist ein solches Muster?

Die oben angeführten Beispiele von Zählungen einzelner Reviere in den verschiedenen Jahren zeigen, dass nur mehrjährige vergleichende Untersuchungen ein korrektes Bild der tatsächlich vorhandenen Hasenpopulation liefern können. Zu kurzfristige Untersuchungen liefern nur Momentaufnahmen und lassen keine Trends erkennen.

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